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Presseperlen, Reka as Social Secretary, Social Secretary, Ulla Keienburg - Bildungsministerium

Erin Pizzey – This Way to the Revolution: An Autobiography

 
Erin Pizzey, This Way to the Revolution: An Autobiography. Peter Owen Ltd. Gründerin der Frauenhausbewegung schreibt erschütternde Biographie

Allein diese Rezension von Sidney Davenport in ihrem FREITAG-Blog ‚Geschlechtergerechtigkeit‘ ist schon höchst bewegend. Das neue erschienene Buch von Erin Pizzeys ‚This Way to the Revolution: An Autobiography‘ scheint in idealer Weise die Verbindung zwischen individueller Lebensgeschichte und gesellchaftlichen Ereignissen und Entwicklungen darzustellen. In den Konflikten zwischen den widerstreitenden Flügeln innerhalb der Frauenbewegung werden deren innere Widersprüche beispielhaft geschildert. Allein die Frage, ob man als Feministin weiterhin Männer lieben dürfe oder als eine Art Vernunftentscheidung nun gleichgeschlechtlichen Sex haben sollte oder ob man weiterhin Make-up und Deodorant benützen dürfe? Erschreckend ist es, sowohl den totalitären Charakter der damaligen Frauenbewegung vor Augen geführt zu bekommen als auch deren spezifische Blindheit hinsichtlich der Komplexität und des systemischen* Charakters häuslicher Gewalt.
Bedingt durch die starke Lobbytätigkeit der radikalen Feministinnen setzte sich allgemein die patriarchale These der generellen Unterdrückung der Frauen durch die Männer durch, wonach im „Partriarchat alle Männer alle Frauen unterdrücken, als Geiseln nehmen und misshandeln.“ Dass häusliche Gewalt auch von weiblichen Täterinnen verübt wird und aus Opfern Täter(innen) werden konnten, wurde demzufolge im öffentlichen Diskurs lange verdrängt. Männer – Großväter, Väter, Söhne, Brüder – die durch Frauen – Großmütter, Mütter, Töchter, Schwestern – häusliche Gewalt erlitten, fanden lange Zeit schlichtweg kein Gehör. Es ist deshalb ein besonderes Verdienst Erin Pizzeys, ihren Fokus stets auch auf beiden Geschlechter als Opfer beibehalten zu haben. Da „Gewalt als eine (misslungene) Form von Kommunikation, die sich in einem rekursiven und dynamischen Gewebe von Interaktionen der beteiligten Frauen und Männer ent­wickelt“ funktioniert, sind in letzter Konsequenz dieselben Gewaltmuster in hetero- und homosexuellen Beziehungen und Familien zu finden. Häusliche Gewalt von feministischer Weltanschauung entideologisiert zu betrachten, führt in letzter Konsequenz dazu, jeden Fall in seiner ihm eigenen Besonderheit zu beurteilen. Folgerichtig gibt es hierzulande auch Bestrebungen, den Begriff ‚Frauenhäuser‘ durch ‚Familienhäuser‘ zu ersetzen und damit auch dem systemischen Konzept von häuslicher Gewalt Rechnung zu tragen.

* Systemisch i.S.v. Geschlechter- und Generationengrenzen übergreifenden, wechselseitig erfolgender Gewalt.

MIt Dank an Ulla Keienburg, die mich auf den Beitrag im FREITAG aufmerksam machte.

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Über nextkabinett

Seit seiner Gründung versammelt das next Kabinett kreative Kopfarbeiter um sich und versucht, bisweilen unter Zuhilfenahme überlieferter und überschätzter Utopien, einen neuen Blick auf das politische, gesellschaftliche und kulturelle Geschehen zu werfen.

Diskussionen

2 Gedanken zu “Erin Pizzey – This Way to the Revolution: An Autobiography

  1. Zum Artikel im Freitag sollte man unbedingt Reihnhard May hören. Leider ist er mehr zu einer Abrechnung mit der Frauenbewegung geraten mit allen Klisches, die schon in den siebzigern des letzten Jahrhunderts verbraten wurden. Ungeschminkte stinkende Kampflesben, die uns unsere Eigenheime im Tessin weg nehmen wollen. Eine Auseinandersetzung mit dem Fauenhauskonzept, Konzepten, findet leider eher nicht statt. Den Menschen, die Frauenhäuser zur Verfügung stellen, in toto zu unterstellen, sie seien von einer bestimmten Ideologie getrieben ist unredlich. Die impliziete Forderung, solche Zufluchtstätten hätten von Sozialpädagogen geführt zu sein, die sich einem bestimmten Konzept verpflichtet fühlen, ist nicht nur bedenkenswert, sondern auch ein wenig bedenklich. Familienhaus … als gäbe es kein anderes Konzept des Zusammenlebens … geleitet von pro familia. Ich fürchte hier wird e i n e Autobiographie und e i n Ansatz benutzt, um ein ganz anderes Süppchen zu kochen

    Verfasst von Gladbecks Bürgermeister der Herzen | Juli 21, 2011, 9:41 pm
    • Hmm??
      Stimmt, die Versozialpädagogisierung der Frauenhäuser ist der Entwicklung geschuldet, dass sich Frauenhäuser auch irgendwie finanzieren müssen. Staatliche oder kirchliche Gelder sind nun mal nicht anders zu haben, als durch eine assoziierte Trägerschaft und ‚fachkompetentes‘ Personal. In den Zeiten, als ich im Sozialwesen gearbeitet habe, fühlten sich Sozialpädagogen usw. noch den Gedanken von Emanzipation und Selbstbestimmung verbunden. Wie sehr das Qualitätsmangagement auch in die Frauenhäuser eingezogen ist, weiß ich nicht – allerdings vermute ich, dass es auch dort ohne Zertifizierungen keine Gelder mehr gibt. Aber das ist wahrscheinlich nicht das, was Du sagen wolltest.

      „Den Menschen, die Frauenhäuser zur Verfügung stellen, in toto zu unterstellen, sie seien von einer bestimmten Ideologie getrieben ist unredlich.“ Bezieht sich das auf den generellen Patriarchatsvorwurf der radikalen Feministinnen?
      Ich sage Dir, die Fronten waren wirklich so hart damals. Ich selbst war noch ein Teenager, aber an dieses Härte im Diskurs und Umgang miteinander kann ich mich noch gut erinnern. Männermögend und freiheitsliebend waren sowohl die Feministinnen- als auch die linken Parteizirkel nichts für mich.

      Der Begriff ‚Familienhaus‘ mag nicht besonders glücklich gewählt sein, aber es geht hier ja um die geschlechter- und generationenübergreifende konzeptionelle Öffnung der bloßen Begrenzung auf Frauen als alleinige Opfer. Ob dies weiterhin geschlechtergetrennt in Form von Männerhäusern geschehen sollte, wäre eine Diskussion wert. Historisch gesehen waren Klöster die Vorläufer von Frauenhäusern und männliche Opfer fanden bestimmt Schutz in Männerklöstern. Geschlechtliche Trennung von Opfern häuslicher Gewalt hat Vor- und Nachteile. Das muss man differenziert diskutieren.

      Deinen Verweis auf pro familia verstehe ich nicht. Wo war davon die Rede? Bitte erläutere dies doch noch einmal detaillierter.

      Natürlich gibt es auch andere Konzepte des Zusammenlebens als die eurozentristische Kleinfamilie. Sicherlich produziert diese Kleinfamilie auch einen Großteil des Leids, das sich in häuslicher Gewalt als misslungener Kommunikation äußert. Indes denke ich, dass die trianguläre Kernfamilie der primäre Bezugspunkt von Kindern bleiben wird.
      Sicherlich haben in Großfamilien andere enge Verwandte eine nicht minder prägende Funktion für Kinder, vor allem, wenn die Eltern, wie hier diskutiert, wegen ausübender häuslicher Gewalt in ihrer positiven Funktion ausfallen. Großeltern, Onkel, Tanten, ältere Geschwister können dann viel kompensieren. Indes denke ich nicht, dass aus der Ethnologie und der Anthropologie bekannte Konzepte, wie das der polygamen Familie oder die Grossfamilie als traditionelle Wohngemeinschaft auf uns übertragbar sind. Nicht umsonst ist es so schwierig, Mehrgenerationenhäuser usw. zu etablieren. Wir wissen doch um den narrativen Kern in der ethnologischen und anthropologischen Theorienbildung. Selbstverständlich auch in der Psychoanalyse. Bleiben wir deshalb hier bescheiden.

      Schlussendlich, welches „andere Süppchen“ meinst Du, das gekocht werden soll?

      Verfasst von nextkabinett | Juli 22, 2011, 9:02 am

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